Kameraenge(l)

words

Der Tag ist lang. Silbrig kleine Engel verdichten sich vor der Linse der Kamera und
blicken zurück in das Auge, das hinten dran, an der Aussicht hängt.

“Wie viel möchtest du noch sehen?”, fragte er und lässt seine Finger die Konturen seines Gesichts nachziehen.
An der rechten Schläfe angekommen verkrampft sich seine Hand und die sorgfältig manikürten Fingernägel
pflügen rote Furchen in seine schneeweiße Haut. Bis hinunter zu seinem Kinn,
wo er die Hand sinken lässt und ungläubig, belustigt die durchscheinenden Hautfetzen,
die unter seinen Fingernägeln hängen geblieben sind, betrachtet.

“Vielleicht ein bisschen weiter links?!”, hört sie ihn vergnügt durch das heftige Flattern der Engelsflügel flüstern.
Die Federn, die dabei zu Boden fallen, verdampfen in der Stille der Nacht und hinterlassen nur ein undeutliches Glühen, das bald darauf sanft rauschend verebbt.

“Du musst dich mehr zu mir beugen. In meine Richtung! So ist es gut. Ja.”
Dabei hat sie sich keinen Millimeter bewegt. Nur seine Augen zucken wild hin und her und versuchen das Dunkel des Raums abzutasten. Doch keine Schemen wollen sich vor ihm aus dem Nichts erheben.
Keine Wahrheiten aus der phantastischen Erzählung herausschälen. Er bleibt allein mit dem Flügelschlag der Zeit,
die vor seinem inneren Auge verrinnt. Wie Sand zwischen den kleinen Fingern eines Kindes.

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